Die Studentin der „Urgeschichte und Historischen Archäologie“ Barbara Siemer schreibt von mittelalterlichen Foltermethoden: Wusstet ihr, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere zur Folter verwendet wurden? Diese tierische und andere außergewöhnliche Foltermethoden unter zu Hilfenahme von Gewichten und Schneiden stellt sie euch in diesem Artikel vor.
Wie immer gilt: Lesen auf eigene Gefahr und nichts für schwache Mägen!
Die Folter mit Gewichten

Die Judaswiege
Bei der Folter durch die Judaswiege saß der oder die Angeklagte nackt auf einer Art Stuhl, dessen Sitzfläche einer Pyramide ähnelte. Die Spitze der Pyramide bohrte sich dabei in den After, die Scheide oder das Steißbein der Verdächtigen und führte zu starken Verletzungen und Schmerzen.
Je nach Belieben konnte der Folterknecht das Opfer mittels einer Seilwinde anheben und kontrolliert wieder auf die Spitze absenken oder fallen lassen. Auch konnten an den Füßen des Opfers zusätzliche Gewichte angebracht werden, um den Druck zu erhöhen und die Belastung zu verstärken.
Die Judaswiege war nicht nur eine körperlich äußerst schmerzhafte, sondern auch eine zutiefst demütigende Foltermethode, die oft über längere Zeiträume hinweg angewendet wurde und zu schweren, teilweise irreversiblen Verletzungen führte.
„peine forte et dure“ („die starke und harte Pein“)
Die Gefolterten wurde auf einen Tisch oder auf den Boden geschnallt und mit Hilfe eines Brettes, das auf seinem Brustkorb platziert wurde, konnten nun nach und nach Gewichte daraufgestellt werden, die ihnen buchstäblich den Atem nahmen. Waren die Gefolterten nicht geständig, so wurden immer mehr Gewichte auf das Brett gelegt, bis der Brustkorb zerbarst.
Die Folter durch Schneiden
Die eiserne Jungfrau
Kein Foltergerät nimmt in der folkloristischen Darstellung von Folter einen größeren Raum ein als die „Eiserne Jungfrau“. Als solche wird ein Kasten aus Eisen mit weiblicher Form bezeichnet, der an der Innenseite mit Stacheln ausgestattet war. Beim Schließen des Kastens bohrten sich die Stacheln tief in den Körper des Opfers.
Legte der oder die Verdächtige kein Geständnis ab, so wurde die „Eiserne Jungfrau“ immer enger geschlossen, sodass die Spieße den Eingesperrten an verschiedenen Körperstellen durchstachen.
Es gibt heute allerdings keine nachweislich unverändert erhaltene „Eiserne Jungfrau“ und keine sicheren Hinweise, dass es jemals wirklich eine gegeben hätte.


Gedornte Halskrause oder Halskette
Bei der Folter mit einer gedornten Halskrause handelt es sich um eine mit Stacheln besetzte Halskrause, die um den Hals gelegt und am Nacken verschlossen wird; sie bohrte sich so in das Fleisch des Opfers. Teilweise wurde die Halskrause tagelang angelassen, so dass das Opfer sich nicht hinlegen konnte. Durch langes Tragen war die Haut und das Fleisch im Nackenbereich so aufgescheuert, dass das Opfer der Pein ein Ende machte und gestand. Der Tod trat dann trotzdem häufig durch Wundbrand, Blutvergiftung oder schwere Entzündungen ein.
Das Riemenschneiden
Der Folterknecht schnitt beim so genannten Riemenschneiden mit einem Messer buchstäblich Riemen aus der Haut heraus. Manchmal schnitt man auch einfach mit Scheren die Haut des Opfers heraus.
Gespickter Hase
Der „Gespickte Hase“ ist ein mobiles Folterinstrument. Dabei handelt es sich um eine Walze, die mit unzähligen Eisendornen bespickt ist. Diese wird dem Opfer über Rücken oder Bauch geführt und konnte in Verbindung mit anderen Folterwerkzeugen, wie beispielsweise der Streckbank, verwendet werden.
Die Eisendornen verursachten dabei nicht nur enorme Schmerzen, sondern natürlich auch ernste Verletzungen.

Spanische Spinne
Die Spanische Spinne sieht wie eine Haarklammer aus und bewegt sich auch so. Nur dass die Spitzen aus Eisen waren und nicht ins Haar, sondern unter die Haut geschoben wurden – meist an empfindlichen Stellen, wie Hals- oder Oberschenkelinnenseite. An der Spanischen Spinne konnte ein Seil befestigt werden und so konnten die Angeklagten mit einem Flaschenzug in die Höhe gezogen werden. Nicht selten fiel der Körper herunter oder blieb liegen und die spanische Spinne mit Haut- und Fleischfetzen wurde nach oben gezogen.
Verstümmelungen
Verstümmelungen wurden unter anderem bei Dieben durchgeführt. Dabei konnten verschiedene Körperteile verstümmelt oder abgeschnitten werden. Sehr beliebt war das Abhacken von Händen und Füßen sowie das Abschneiden der Zunge, der Nase oder der Ohren. Auch das Ausbrennen von Augen kann hierunter gezählt werden. Unter Elizabeth I. schrieb das Gesetz verschiede Strafen für Diebe vor; zum Beispiel das Abtrennen eines Ohres beim ersten Vergehen, das Zweite beim Zweiten und das dritte Mal wurde die Todesstrafe verhängt. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde Sex-Arbeiterinnen die Nase gespalten.
Ziehen
Eine weitere Foltermethode ist das Einführen von scharfen Splittern unter den Nägeln. Sie zählt zu den ältesten Foltermethoden. Bei den Bolschewiken kamen statt Holzsplitter Grammofonnadeln bei den Verhören der oppositionellen Truppen zum Einsatz. Das Herausziehen der Finger- und Fußnägel wird als rauere Variante dieser Foltermethode gesehen. Dazu gehört auch das Entfernen der Zähne; diese Foltermethode existiert seit dem Mittelalter.
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Foltermethoden mit Tieren

Kämpfe mit wilden Tieren
In römischen Reliefs gibt es Darstellungen, die die Folter durch Tiere zeigt. Unter anderem stellen sie dar, wie ein nackter, unbewaffneter Mann sich vor einem Angriff eines Löwen zu wehren versucht. Neben Löwen wurden auch auch Panther, Eber, Wölfe oder Bullen von den Römern eingesetzt.
Zudem boten verschiedene Herrscher in den beliebten Arenen immer wieder Spiele mit wilden und exotischen Tieren dem Volk dar, wie beispielsweise Krokodile und Elefanten. Diese Spiele waren bis nach Rom verbreitet, und im Rahmen der Eröffnung des Kolosseums verendeten in 100 Tagen mindestens 9.000 Tiere. Wie viele Menschen dabei ums Leben gekommen sind, wurde nicht überliefert.
Die verfluchte Ratte
Neben den vermeidlich gefährlichen und wilden Tieren wie Löwen, Bären und Wölfen können auch Ratten als wirkungsvolles Folterinstrument eingesetzt werden. Allein nur der Gedanke an dieses Nagetier löst beim Menschen Ekel und Grauen aus; wir verbinden dieses Tier oft mit Krankheit und Tod. Die Ratten wurden in einen Käfig gesperrt und dem Opfer auf den Bauch gestellt und der Käfig angezündet. Durch den Fluchtinstinkt, der bei dem Tier ausgelöst wurde, wurde das Opfer bei lebendigem Leib von den Ratten angefressen.
Die Ziege
Die Ziege als Foltermethode klingt im ersten Moment harmlos? Ist sie aber nicht! Das Opfer wurde eingespannt, sodass es sich nicht mehr bewegen konnte und seine Füße wurden mir Salz eingerieben. Es ist bekannt, dass Ziegen eine raue Zunge haben – angezogen vom Salz, leckten die Ziegen die Füße und aus dem anfänglichen Kitzeln wurde ein starkes Brennen. Durch immer wieder neues Aufbringen des Salzes auf den Fußsohlen wurde das Brennen verstärkt. Die Prozedur wurde so lange wiederholt, bis die Angeklagten geständig wurden.
Ameisen, Insekten und andere Quälgeister
Ein einzelnes Insekt wirkt zwar im Vergleich zu einem Wolf harmlos, doch in der Massen können diese zur reinen Folter werden. In Angola wurden die Körper der Gefangenen mit einem Gemisch aus Honig und Wasser bestrichen und mussten sich auf einen Ameisenhügel setzen. Wohl ein wenig damit vergleichbar, wenn man bei der Gartenarbeit unabsichtlich in ein Ameisennest sticht… Das Verwenden von Zuckerlösungen war sehr weit verbreitet, um die kleinen Quälgeister anzulocken.
Hoffentlich waren auch heute wieder neue Foltermethoden für euch dabei und wir konnten dem einen oder anderen eine Gänsehaut bescheren!
Text: Barbara Siemer; Studentin der „Urgeschichte und Historischen Archäologie“
Bilder:
- Flominator, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons ↩︎
- Piotr VaGla Waglowski, http://www.vagla.pl, Public domain, via Wikimedia Commons ↩︎
- Von Begede, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons ↩︎
- Von Lestat (Jan Mehlich) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11841400 ↩︎