Historische Wiener Gasse in düsterer Atmosphäre

Einmal im Jahr wird es gruselig: Zu Halloween in Wien begegnen uns auf den Straßen Vampire, Skelette, Zombies und andere schaurige Gestalten.

Doch was steckt hinter Halloween in Wien und woher kommt dieser Brauch eigentlich? Viele gehen davon aus, dass Halloween aus Amerika stammt. Doch das ist nicht ganz richtig. Ursprünglich stammt das Fest aus Europa. Erst durch die Auswanderung der Iren im 18. und 19. Jahrhundert gelangte es nach Amerika. Dort entwickelte es sich zu dem Halloween, das wir heute kennen – mit Kostümen, gruseligen Gestalten und dem berühmten „Süßes oder Saures?“.

Was bedeutet "Halloween"?

Beschäftigen wir uns zunächst kurz mit der Onomastik, also der Namenkunde. Dazu müssen wir den Namen zuerst einmal zerlegen! Früher schrieb man Halloween als „Hallowe’en“. Dabei handelt es sich um eine Verkürzung von „All Hallows’ Eve“, also dem Abend vor Allerheiligen.

Halloween ist unter anderem auch als Totengedenktag, Schattenfest, Erntefest beziehungsweise Erntesabbat, Old Hallowmas, Old Halloween oder Samhain bekannt. Übrigens gibt es eine niederländische Ballade aus dem 13. Jahrhundert über einen halbdämonischen Zauberkönig und Mädchenmörder namens Hallewijn. Bisher konnte allerdings keine Verbindung zwischen dieser Figur und Halloween festgestellt werden.

Doch all das erklärt noch nicht, warum Halloween gefeiert wird oder woher der Brauch ursprünglich stammt!

Was heißt Halloween auf Deutsch?

Halloween bedeutet „Allerheiligenabend“ und bezeichnet die Nacht vor Allerheiligen, also vom 31. Oktober auf den 1. November.

Der Ursprung von Halloween

Wie den meisten sicherlich bewusst ist, wurden im Zuge der Christianisierung einige heidnische Feste weiterhin gefeiert, allerdings mit einer christlichen Bedeutung versehen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus christliche Feste, während die ursprüngliche heidnische Bedeutung zunehmend verloren ging. So auch bei Samhain.

Würden wir die Zeit zurückdrehen und zu den Ursprüngen dieses Festes reisen, würden wir uns in Irland wiederfinden. Vermutlich würden wir dort entweder einem großen Feuer beiwohnen, das die Sonne symbolisiert, oder in einem verriegelten Haus sitzen. Vor dem Haus würden aus Rüben geschnitzte Fratzen mit Kerzen leuchten, die böse Geister vertreiben sollen. Die Nacht der Lebenden und Toten war angebrochen.

In Irland, aber auch auf den anderen britischen Inseln, wurde Samhain (neuirisch Saun‘) in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November gefeiert. Heutzutage heißt das Fest Oíche Shamhna. Noch weiter zurückgehend wurde das Fest nicht nach dem Sonnenkalender, sondern nach dem Mondkalender festgelegt: immer zum elften Neumond des Jahres.

Das Dunkle Samhain wurde auch als kurze Regentschaft der Unterwelt angesehen, die bis zur Wintersonnenwende dauerte. Diese war auch als Yule bekannt, an dem das Licht – im Christlichen Jesus – (wieder)geboren wurde. Samhain, oder auch Samfuin, bedeutete ursprünglich „Summer’s End“ beziehungsweise „Tod des Sommers“ und verkündete somit das Ende des Sommers.

Ausgehöhlte Rübe mit geschnitztem Gesicht als traditionelle irische Halloween-Laterne
Foto: Killim / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Bildgröße angepasst.

Von der Rübe zum Kürbis

Bevor Kürbisse zum Symbol von Halloween wurden, schnitzte man Fratzen in Rüben und stellte Kerzen hinein. Die leuchtenden Gesichter sollten böse Geister fernhalten.

Mit der Auswanderung der Iren gelangte dieser Brauch nach Amerika. Dort verwendeten die Menschen schließlich Kürbisse statt Rüben.

Samhain im Jahreskreis

Samhain läutete auch den irisch-keltischen Jahresbeginn ein. Ein Hinweis darauf ist unter anderem der erste Monat des keltischen Kalenders von Coligny namens Samonios. Das Fest war also im Prinzip mit unserem heutigen Silvester vergleichbar. Manche Quellen berichten übrigens, dass Samhain über mehrere Tage oder sogar Wochen gefeiert wurde und einen vergänglichen sowie zeitlosen Augenblick darstellte.

In Wales zählte das Fest zu den „drei Geisternächten“, teir nos ysprydnos, und wurde Nos Calan gaeaf genannt, was so viel wie „Nacht des Winteranfangs“ bedeutet. Es wird angenommen, dass Allerheiligen und Allerseelen diesen Festen entsprungen sind. Denn all diese Feste haben eines gemeinsam: das Gedenken an die Toten.

Bräuche und Traditionen

Samhain hatte in Irland viele verschiedene festliche Traditionen. Sie alle vorzustellen, würde den Rahmen dieses Blogartikels sprengen. Deshalb beschränken wir uns auf die wichtigsten Bräuche.

Der Überlieferung nach ist der Schleier zwischen dem Diesseits und dem Jenseits in der Halloween-Nacht besonders dünn. So soll es den Lebenden möglich gewesen sein, mit Verstorbenen Kontakt aufzunehmen. Neben Ritualen zur Kontaktaufnahme und zur Ehrung der Toten wurde auch gerne orakelt, um einen Blick in die Zukunft zu werfen – ähnlich wie heute zu Silvester. Traditionell ließ man beim Abendessen einen Platz für die Ahnen frei.

Rübengeister und Verkleidungen

Um rachsüchtige Geister fernzuhalten, stellte man ausgehöhlte Rüben mit Kerzen darin auf. Diese sogenannten Rübengeister gab es mancherorts auch in Österreich, lange bevor der Begriff Halloween hier bekannt wurde. Damals höhlte man Zuckerrüben aus, schnitzte Fratzen hinein und stellte Kerzen darin auf. Kinder zogen anschließend durch die Dörfer und baten um Gaben. Anders als heute waren sie dabei allerdings noch nicht verkleidet.

In Irland hingegen verkleideten sich die Menschen teilweise bereits damals. Die Verkleidungen dienten der Tarnung und sollten die bösen Geister der Anderswelt, die sogenannten Sid, abschrecken und vertreiben. Im irisch-keltischen Jahreskreis war Samhain außerdem das dritte Erntefest, bei dem oftmals große Schlachtungen stattfanden.

Von der Rübe zur Jack O’Lantern

Als der Brauch der Rübenlaternen mit den irischen Auswander*innen nach Amerika gelangte, wurden dort zunehmend Kürbisse statt Rüben verwendet. Auch die irische Legende von Jack O’Lantern wurde weiterentwickelt.

Um 1900 entwickelte sich Halloween zunehmend zu einer Nacht, in der viel Unfug getrieben und teilweise auch Zerstörung angerichtet wurde. Verschiedene Organisationen, darunter die Pfadfinder, versuchten, dem entgegenzuwirken. Um 1930 entstand daraus die sogenannte „Beggar’s Night“ (Bettlernacht) und der Brauch des „Trick or Treat“. Anstatt Unfug zu treiben, zogen Kinder von Haus zu Haus und sammelten Süßigkeiten. Daraus entwickelte sich das heute bekannte „Süßes oder Saures“ beziehungsweise „Schokolade oder Schabernack“.

Leuchtender Halloween-Kürbis mit geschnitztem Gesicht vor schwarzem Hintergrund

Weitere Halloween-Bräuche und Orakel

Neben dem Kürbisschnitzen und Verkleiden gehören auch Kürbisschnitzwettbewerbe und Kürbiswiegen zu den Halloween-Traditionen. Weniger bekannt sind hingegen die verschiedenen Orakelbräuche, mit denen die Menschen früher versuchten, einen Blick in ihre Zukunft zu werfen.

Beim Apfelschalenwerfen wurden Apfelschalen über die Schulter oder in ein Wasserfass geworfen. Ihre Form sollte den Anfangsbuchstaben des Namens des zukünftigen Partners verraten. Auch Eiweiß diente als Orakel: Die Menschen gossen es in Wasser und versuchten daraus abzulesen, wie viele Kinder sie bekommen würden. Ein weiterer Brauch bestand darin, Mehl und Korn vom Grab bis zum Haus zu streuen, um den Verstorbenen den Weg nach Hause zu weisen.

Halloween in Wien: Wie das Fest nach Österreich kam

Hallo Wien: Von den ersten Partys zum Halloween-Boom

Auch Halloween in Wien hat eine kommerzielle Geschichte. Anfang der 1990er-Jahre bewarben österreichische Geschäftsleute das Fest verstärkt, um die Umsätze zwischen Schulbeginn und Weihnachten zu steigern.

So erhielten 1997 einige Geschäftsleute in Wien-Döbling ein Flugblatt mit dem Aufruf: „Hallo Wien – Halloween, Wien beleben in toter Zeit“. Die Geschäfte beteiligten sich an der Aktion und der Plan ging auf.

Bereits 1995 veranstalteten die Betreiber*innen des Lokals Ma Pitom im Wiener Bermudadreieck eine Halloween-Party, die als erste ihrer Art in Wien gilt.

Stephansdom in Wien vor düsterem Nachthimmel mit Vollmond

Halloween zwischen Tod und Hoffnung

So düster Halloween auch wirken mag, das Fest lädt uns dazu ein, uns mit dem Loslassen, dem Abschied, der Trauer und dem Tod auseinanderzusetzen. Gleichzeitig geht es aber auch um Hoffnung. An diesen Tagen gedenken wir der Verstorbenen, verarbeiten unsere Trauer und erinnern uns mit Dankbarkeit an unsere Vorfahren.

Die Auseinandersetzung mit dem Tod macht uns unsere eigene Endlichkeit bewusst. Sie erinnert uns daran, wie wichtig es ist, unserem Leben einen Sinn zu verleihen und dankbar dafür zu sein.

Gerade in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit kann es wertvoll sein, den Blick nach innen zu richten, die innere Stille zuzulassen und sich mit der eigenen Seele auseinanderzusetzen. Halloween kann uns dazu ermutigen, uns geistig weiterzuentwickeln, Altes loszulassen und mit neuer Energie und Hoffnung nach vorne zu blicken.

Wir sollten an diesen Tagen Altes loslassen und den Samen für das Neue säen!

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Text: Manuela Supan, BA.

Redaktionell aktualisiert: ArchäoNOW, Oktober 2026